Wer so, wie wir, ein Leben lang verschrieben ist dem Chorgesang, erkennt aus unsrer Kunstentfaltung der Freizeit sinnvolle Gestaltung in musischer Gemeinsamkeit, wenn auch mit Mühen und viel Zeit, mit manchen harten Probenstunden, wo eingebimst, genervt, geschunden, bis wenigstens, wenn auch bedingt; so Lied für Lied annähernd klingt. Dann endlich steht man vor den Leuten, auf Brettern, die die Welt bedeuten und wird's Gelernte tapfer los, und hört Applaus, und fühlt sich groß, und kann des Künstlers Glück ermessen. Dann sind die Mühen schnell vergessen. Doch montags dann, nach neuem Plan, fängt's wiederum von vorne an. Ein neues Werk mit neuen Klängen, Konzerttermin, nervöses Drängen. Lied rein, Lied raus, zu neu, zu schwer, auch fremde Sprache, nichts klappt mehr. Gestresstes Hirn, verkratzte Kehlen, warum muss große Kunst so quälen? Und spät nach Hause, lange wach, und Zusatzprobe, Ehekrach, dann lange Fahrt auf eigne Tasche, oh trockner Raum und keine Flasche, und schon halb zehne, noch kein End. Am nächsten Früh nicht ausgepennt.
| Dann zieht man noch im Sängerkreise kulturbesessen weit auf Reise, wird angestaunt von aller Welt, die Singen für verschroben hält, und hat, was weiß ich noch für Kummer, und ist nach Norm 'ne Sondernummer. Doch fragt ihr mich: "Warum dies alles?" Dann sag ich euch: Im Fall des Falles, es würde all dies nicht mehr geben, dann fehlte mir ein Stückchen Leben.
Dann säß' ich faul nach Alltagshasten des Abends vor dem Flimmerkasten und hörte aus Musikkonserven, wie andre glücklich singen därfen. Nein Leute, wie's auch kommen mag, ich singe, notfalls jeden Tag!
Und die Moral von der Geschicht': "Verachtet mir die Musen nicht!" Auch wenn sie oft mit Küssen geizen, doch wird geküsst - dann mit viel Reizen. Dann zieht die Liebe uns der Musen ganz ohne Scham an ihren Busen, dann schwinden Kummer hin und Qual, dann, schnöde Welt, kannst Du uns mal - verlachen, überheblich protzen. Ich würde singen, dir zu trotzen! Gerhard Seifarth (Ehrenbass, Gründungsmitglied, Chronist, langjähriger Chef-Organisator und geliebter Dichterfürst) |